Positive Seiten der Einweg-Gesellschaft
Die von Umweltschützern schon lange beklagte Mentalität der Einweg-Gesellschaft grassiert noch immer. Schlimmer noch, sie findet immer neue Auswüchse, als Beispiel sei nur die Tatsache genannt, dass inzwischen in vielen Geschäften die meisten Pfandflaschen Einweg-Plastikflaschen sind. Aber es gibt auch positive Seiten, vor allem dort, wo durch das einmalige Verwenden kein Müll entsteht, vornehmlich also in elektronischer Form.
Solch ein erfreuliches ist liefert der Service von temporaryinbox.com: Wer kennt sie nicht, diese dubiosen Foren, bei denen man nur kurz eine Frage stellen will, diese Websites, die einem für irgendwelche Kleinigkeiten ein Passwort per Email zukommen lassen müssen, diese Anfragen an Ämter und Behörden, die man am liebsten vollkommen anonym stellen will. Sie alle wollen eine Email-Adresse, und davon hat Otto Normalnutzer nunmal nur eine oder ein paar wenige an der Hand, und alle verwendet man bei der einen oder anderen Gelegenheit, so dass bei jeder die Gefahr ent- oder besteht, dass sie zurückverfolgt werden kann. Außerdem will man auf keiner dieser Adressen demnächst größere Mengen Spam vorfinden. Woher also eine Email-Adresse nehmen, die man einmal für genau einen Zweck verwendet und dann wieder entsorgt?
Die meisten Webmailer erfordern eine mehr oder weniger umfangreiche Registrierung: sowohl bei GMX als auch bei web.de braucht man Name und vollständige Adresse, um sich eine Website einrichten zu können. Microsoft ist mit seinem Emailservice hotmail ausnahmsweise eher vorbildlich: hier muss man wenigstens nur ein Geburtsjahr und einen Postleitzahlenbereich angeben. Es bleibt jedoch ein lästiges Geschäft, sich hier für jede Kleinigkeit eine neue Emai-Adresse einzurichten.
Hier bietet der Service von temporaryinbox.com eine einfache Lösung. Es Bedarf keinerlei Registrierung, man muss die Seite noch nicht einmal vorher besucht haben, um eine Email-Adresse dort zu nutzen. Man kann sich seine anonymen Mails einfach an einenbeliebigenNamen@temporaryinbox.com schicken lassen. Alternativ stehen auch noch ein paar andere Domains zur Verfügung, so dass nicht sofort zu erkennen ist, dass man eine temporäre Email-Adresse angibt. Abrufen lassen sich die Mails, die an diese Adresse geschickt werden dann direkt auf der Startseite von temporaryinbox.com. Es muss nur rechts oben die Adresse eingegeben werden, und schon landet man im Posteingang. Einfacher geht es nur noch mit einem Plugin für Firefox, das Zufallsadressen generiert und auch gleich den Posteingang überprüfen kann.
Einen Nachteil hat das Verfahren jedoch: dadurch, dass kein Passwort vergeben wird, kann im Prinzip jeder auf diese Inbox zugreifen, man sollte sich also eine Email-Adresse zulegen, die nicht von anderen vielleicht auch zufällig eingegeben wird. Eine Hilfe für Inspirationslose bietet dazu der Zufalls-Adressen-Generator auf der direkt unter dem Login. Auf jeden Fall sollte man mit dem Tip von temporaryinbox, doch einfach vorname.nachname zu verwenden, vorsichtig umgehen. Allerdings werden alle Mails automatisch nach sechs Stunden aus dem Posteingang gelöscht. Das mildert einerseits die Gefahr, dass der Inhalt in falsche Hände gerät, andererseits sollte man bis dahin auch sicher gestellt haben, dass alle wichtigen Informationen aus der Mail auch an anderer Stelle gespeichert sind.
Neben dem temporären Posteingang wird auch noch eine temporäre Weiterleitung angeboten. Das hat den Vorteil, dass die Mails letztendlich im eigenen Posteingang landen, ohne dass man seine richtige Adresse angeben muss. Hier ist die Verwendung allerdings marginal komplizierter, da man sich bei temporaryinbox.com mit seiner richtigen Email-Adresse und einem Passwort registrieren muss. Dass wars dann allerdings auch schon. Gleichzeitig sind die Emails damit nicht mehr öffentlich zugänglich. Wenn man feststellt, dass über die Adresse zu viel Spam ankommt, dann beschafft man sich einfach eine neue.
Beide Angebote schützen also gut vor Spam und zumindest mit der Wegwerf-Email-Adresse ist auch das Anonymitätslevel sehr hoch. Übrig bleiben natürlich noch die Verbindungsdaten, die vom Server gespeichert werden. Diese stehen in der Schweiz. Ob dort Vorratsdatenspeicherung auch vorgeschrieben ist, entzieht sich meiner Kenntnis, für alle Zwecke unterhalb der organisierten Kriminalität sollte das Anonymitätslevel jedoch auf jeden Fall ausreichen.
Björn Knutsen
Tags: anonyme Email, anonymes Internet
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